Seit über 10 Jahren begleiten wir von CatCap Unternehmen aus Hamburg und Berlin heraus bei strategischen Kapitalmaßnahmen, insbesondere bei Kapitalsuche und bei Unternehmenskauf und –verkauf. In dieser Zeit habe ich mir – unabhängig von Hype Cycles - eine Meinung zu den beiden Metropolen gebildet, die ich angesichts der aktuellen Hamburg-Berlin-Diskussion einmal hier kundtue.
Man könnte fast meinen, Hamburg blutet aus, wenn man das liest: http://blogs.wsj.com/tech-europe/2012/01/03/berlins-gain-is-hamburgs-loss-as-vc-moves-east/
Earlybird’s Ciarán O’Leary sagt darin: “It was obvious that Berlin was taking a whole lot away from Hamburg. In terms of the gaming, media, everything where Hamburg used to be strong, Berlin is eating its lunch.”
Doch das Gegenteil stimmt: Berlin’s Gain is not Hamburg’s loss, but Hamburg’s Gain.
Wir haben ein Büro in Hamburg und eines in Berlin. Wir haben aber nicht nur einen Koffer in Berlin, sondern wohnen auch da. Mein Kollege Michael ist für mich der Prototyp des Hamburg-Berliners. 25% seiner Zeit verbringt er in Berlin, 25% in Hamburg, 40% am Verhandlungstisch und 10% im ICE zwischen Hamburg und Berlin.
Insofern bin ich kein Lokalpatriot und kann hier mal ganz neutral urteilen. Sozusagen als Wittenberger oder Parchimer (hier sollte die Flieger auf dem Hamburg-Berlin International Airport landen, mit dem Transrapid in 30 Min nach Hamburg und Berlin verbunden – aber es kann ja anders).
Alle Welt strömt also nach Berlin(http://www.deutsche-startups.de/wp-content/uploads/2009/05/ds_deutschlandkarte_v01.jpg), auch die Hamburger. Und das ist gut für Hamburg.
Endlich kriegt man mal wieder eine Bleibe um die Alster, wenn das earlybird-Personal Platz macht. Einfach bei earlybird anrufen oder bei Ex-Earlybird-Investment yoom gucken: http://www.yoom.de/welcome- Claim: ich verdien Geld mit ausziehen.
Hamburgs großer Vorteil ist es, eine Unternehmerstadt der kurzen Wege zu sein. Das setzt aber voraus, dass die Arbeitnehmer nicht gleich nach Berlin ziehen müssen und pendeln, um sich eine bezahlbare Bleibe leisten zu können.
Hamburg mag zwar nicht so sexy wie Berlin sein, ist aber reich - der Hamburger ist doppelt so produktiv wie der Berliner - und wird noch reicher. In den letzten 15 Jahren ist Hamburg um 26% in der Wirtschaftsleistung gewachsen, Berlin um 15%: http://www.welt.de/print/die_welt/wirtschaft/article13800965/Hamburger-schlagen-Berliner.html.
Facebook und Google sind in Hamburg, aber auch Bigpoint, Innogames, Qype, Casamundo, Frontline und viele mehr. Hier wird richtig Geld verdient. Aber das konnten die Hamburger ja schon immer.
Aber wo ist denn das von allen wahrgenommene Berliner Wachstum? Im Tourismus. Das ist die einzige Branche, in der Berlin stärker wächst als Hamburg. Damit ist klar, es ist zurzeit spannender in Prenzlauer Berg oder Friedrichshain einen Latte Macchiato zu trinken als ein Kännchen Filterkaffee oder einen Pharisäer auf der Hafenrundfahrt in Hamburg.
Aber die ganzen Kreativen, die nach Berlin ziehen, die Startups, die dort und eben nicht in Hamburg gründen? Die sind gut für Berlin. Aber die sind auch gut für Hamburg! Der riesige Job- und Innovationspool ist Hamburg zugänglich. Und kann einfach den nächsten Zug nehmen. Von Berlin nach Hamburg und von Hamburg nach Berlin. Nachdem ich bei der Handelskammer interveniert habe, auch nach 23 Uhr. Und wenn ich in den letzten Zug von Berlin nach Hamburg verpasse, dann networke ich einfach etwas länger und nehme den ersten um 5 Uhr oder übernachte für 30 Euro sehr gut im Einzelzimmer. Das A&O am Hbf hat zwar keinen Spa-Bereich, aber saubere und ruhige Zimmer.
In Hamburg leben, in Berlin gründen, arbeiten oder investieren und umgekehrt. Das geht.
Überhaupt: im Silicon Valley steht man alleine im Stau, im ICE Hamburg-Berlin kann man in der Zeit Geschäfte machen. Macht mal den Test und geht einfach durch den Zug. Ohne einen Auftrag oder einen Investor steigt ihr nicht aus. Man muss sich bei den 1h30 Fahrzeit aber damit beeilen.
Wir haben 2011 von Hamburg aus 2 Berliner Unternehmen beim Verkauf begleitet. Das ging ohne Probleme. Bei einem auch davon begünstigt, dass der Käufer mit dem Geld in Hamburg saß. Ach ja, die Hamburger Pfeffersäcke.
Was ich auch sehr schätze: die Hanseatische Verbindlichkeit und Verlässlichkeit. Was in der Bar am Hafen gesagt wird, das gilt auch nach Sonnenaufgang noch. Wenn wir im Überseeclub eine Veranstaltung machen und zwanzig Minuten vor Vortragsbeginn als Zeitpunkt für das Eintreffen der Teilnehmer benennen, dann sind alle 5 Minuten vor „Eintreffen der Teilnehmer“ da.
Neulich haben wir die 30 Globalscope Partner aus unserem weltweiten M&A-Verbund nach Deutschland eingeladen. Die wollten lieber nach Berlin und nicht nach Hamburg. Das konnten wir gut verstehen. Beim Treffen vorher in Brasilien wollten wir auch nicht nach Sao Paulo, sondern nach Rio. Also haben wir unsere Konferenz in Berlin abgehalten. Toll, dass wir Berlin als Anziehungspunkt haben. Hamburg hat Berlin. Und das ist auch gut so. und was hat München? Das Oktoberfest! Auch nicht schlecht.
Hamburg kann mit Berlin den Druck aus seinem überhitzten Kessel lassen und mit dem kreativen Berliner Potential weiter wachsen. Berlin kann von den Hamburger Kaufleuten lernen, wie man Geld verdient. Beides zusammen ist eine tolle Kombination.
Zum Schluss bitte ich den Leser noch um einen Selbstversuch: suchen Sie mal in Berlin und in Hamburg nach einem Mülleimer. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: In Berlin finden Sie keinen. In Hamburg drei auf einmal. Und die sprechen auch noch so Sachen wie „Ich mache schmutzige Geschäfte“, „Wer wird Müllionär?“, „Bin für jeden Dreck zu haben“ oder „Gib mir den Rest“ : http://www.google.de/search?q=hamburger+m%C3%BClleimer&hl=de&rls=com.microsoft:de:IE-Address&rlz=1I7ADRA_de&prmd=imvns&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&ei=72YHT9-VNY7Eswai_f2CDw&ved=0CFMQsAQ&biw=1280&bih=654
Vielleicht sind die geschäftstüchtigen Kreativen doch in Hamburg. Die machen noch aus Müll Geld.